Warum Entspannung manchmal Stress erzeugt – und wie du wirklich loslassen lernst
Warum man sich nach Entspannung manchmal gestresster oder aggressiver fühlen kann als vorher? Es ist dir schon passiert? Mir ja.
Eigentlich ist das eine Reaktion, die häufiger vorkommt, als man denkt. Das kann auch im Laufe des Tages passieren und nicht unbedingt direkt nach einer Entspannung oder Meditation.
Der Körper geht in eine Phase der Downregulation. Während der tiefen Entspannung fährt das sympathische Nervensystem (Fight or Flight) langsam herunter und das parasympathische Nervensystem (Ruhe und Verdauung) wird aktiviert.
Der Körper entspannt sich – aber wenn es unterdrückte Emotionen oder versteckte Spannungen gibt, können sie plötzlich ins Bewusstsein auftauchen. Deshalb kann es passieren, dass du dich nach einer Pause oder einer Meditation sogar gestresster fühlst als vorher.
Die Monkey Mind wird langsamer und du beginnst mehr zu spüren.
Wenn du sehr beschäftigt bist, ist dein Gehirn abgelenkt. Sobald du anhältst, taucht alles auf, was du vorher ignoriert hast: Muskelspannungen, negative Gedanken, Sorgen.
Es ist, als würdest du laute Musik ausschalten und plötzlich merken, dass die Waschmaschine Geräusche macht. Das Geräusch war vorher schon da – du konntest es nur nicht hören.
Das Nervensystem ist dysreguliert.
Wenn du lange Zeit in einem Zustand von chronischem Stress oder Angst lebst und ständig in Alarmbereitschaft bist, kann dein Nervensystem Entspannung sogar als Bedrohung wahrnehmen, weil es das nicht gewohnt ist.
In diesem Fall kann Meditation am Anfang sogar die Angst verstärken – bis das Nervensystem langsam lernt, dass Entspannung sicher ist.
Die Erwartungen sind zu hoch.
Manchmal erwartet man, dass eine Pause sofort alles löst.
Wenn die Entspannung nicht sofort kommt, entsteht Frustration: Warum kann ich mich nicht einmal entspannen?
Und genau das verstärkt das Gefühl von Stress und Versagen.
Was kannst du tun?
Hab Geduld mit dir selbst. Leichter gesagt als getan, ich weiss.
Fang langsam an. Vielleicht setzt du dich nicht gleich beim ersten Mal für 20 Minuten in den Lotussitz und hoffst, dass die Monkey Mind wie durch ein Wunder still wird.
(Obwohl die Schocktherapie für mich auch einen gewissen Reiz hat: trinken oder untergehen…)
Aber wenn wir es etwas sanfter angehen wollen, gibt es Wege:
- Wähle am Anfang sanftere Entspannungstechniken: bewusstes Atmen, langsame Spaziergänge, leichtes Stretching, vielleicht ein schönes, und von mir sehr beliebtes, Qi Gong, auch wenn es nur 10 Minuten sind.
- Versuche nicht krampfhaft, den Geist zu leeren. Nimm wahr, was auftaucht. Beobachte es wie jemand, der am Straßenrand sitzt und die Autos vorbeifahren sieht. Deine Gedanken sind die Autos. Und wenn du merkst, dass du einem Gedanken hinterherblickst, lass ihn weiterfahren und komm zurück zum Beobachten.
Wie? Richte deine Aufmerksamkeit wieder auf deinen Atem. Bring die Konzentration zurück in den Körper. Von dort aus kannst du wieder anfangen.
- Mach kurze, aber häufige Pausen, statt lange und seltene. Versuch es in deinem Alltag zu integrieren. Manchmal 60 Sekunden Breathwork (5:5, das heisst 5 Sekunden einatmen und 5 Sekunden lang ausatmen) helfen.
- Wenn sich das alles immer noch zu schwierig anfühlt, können wir Co-Regulation ausprobieren – eine geführte Entspannung, die dir am Anfang helfen kann, wieder Kontakt zu deinem Körper aufzunehmen und die Monkey Mind langsam zu beruhigen.